Süßkirschen

 
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Bei uns im Betrieb ist der Anbau von Süßkirschen mit einem hohen Kostenaufwand verbunden. Bevor wir eine superdicke Süßkirsche in den Verkaufsschalen haben gibt es Einiges zu tun.

Zunächst wird vor dem Erstellen einer Süßkirschenanlage Gründüngung zur Bodenverbesserung eingesät. Danach wird das Gerüst für die Überdachung erstellt. Die Pflanzlöcher werden im Sommer ausgehoben. Die Erde jedes einzelnen Pflanzlochs wird mit Kompost gemischt und auf einen Haufen neben jedes Pflanzloch gelagert. Für die Herbstpflanzung haben wir durch diese Maßnahme eine wunderbare feinkrümelige Erde mit einem hohen Humusanteil. Darüber freuen sich auch die Regenwürmer. Ist der Baum nun in die Erde gepflanzt worden, benötigt er noch mindestens 5 Jahre bevor es zu einer kleinen Ernte kommt. Die Kirsche liebt die Wärme. Haben wir im Winter zu starke Kahlfröste können die jungen Bäume erfrieren. Das heißt dann „Neu Pflanzen“ – wenn es überhaupt Bäume für eine Neupflanzung gibt. Die meisten Baumschulen fertigen Jungbäume nur auf Bestellung und die erfolgt zwei Jahre im Voraus. Haben wir die Jungbäume gut durch die ersten Winter bekommen, gibt es ein weitere Herausforderung. Blütenknospen können bei niedrigen Minustemperaturen ebenfalls erfrieren und wie oft haben wir im Februar bis zur Blüte Mitte April noch Temperaturen im niedrigen Frostbereich. Ist die Blüte dann offen, können wir nur hoffen, dass es keine weiteren Fröste gibt.

Wir können einen Teil der Ernte durch die Frostschutzberegnung  versuchen zu retten, dass klappt bei Steinobst aber nicht so gut wie bei Kernobst. Ist bis zur Blüte alles glatt gelaufen, dann brauchen wir nur noch warme Temperaturen. Die Bienen unsere fleißigen Helfer arbeiten erst bei Temperaturen ab ca. 16°C. Weswegen wir zur Bestäubung auch auf die Hilfe von Hummeln und Wildbienen angewiesen sind. Letztere fliegen auch bei kühlerem Wetter und bis in die Dämmerung hinein. Selbst wenn jetzt die Bestäubung erfolgt ist, benötigt der Pollenschlauch zum Wachsen für die endgültige Befruchtung wiederum warme Temperaturen. So, jetzt hat aber alles geklappt und wir könnten uns auf eine gute Kirschernte freuen. Das tun aber andere auch. Vor allem Staare und Drosseln und was passiert bei einem Regenschauer? Gegen den Regen und das Platzen gibt es Regenkappen, sie werden über die Krone gezogen und festgeklemmt.

Gegen die Vögel und Insekten (Würmer in den Kirschen) klemmen wir an die Regenkappen feinmaschige Fliegengitter. Die so eingehüllten Kirschbäume sind nun weitgehend gegen Umwelteinflüsse geschützt und können zur Erntezeit mit der Leiter gepflückt werden. Es sei denn, schlaue Drosseln heben das Netz an kriechen unterdurch und bedienen sich an den dicken Früchten. Wobei nie eine Kirsche aufgegessen wird. Es werden immer wieder neue angegessen. Zur Ernte werden immer nur die Reifen geerntet, so dass wir bis zu vier mal einen Baum beernten. Dadurch, dass keine Maschine zum Einsatz kommt gibt es bei uns noch „Kirschoringe“. Spätestens eine Stunde nach der Ernte müssen die Kirschen sofort heruntergekühlt werden. Erfolgt dieses nicht halten sich die empfindlichen Früchte nur wenige Stunden und bekommen einen unansehnlichen braunen Stiel.  Direkt nach der Ernte werden die Kappen und Fliegengitter wieder entfernt und die Bäume können geschnitten werden.

Die Kirschernte beginnt in frühen Jahren schon Mitte/Ende Mai und endet im August. Wir bauen zwölf verschiedene Kirschsorten an, dadurch haben wir ein langes Erntefenster. Im September gibt es immer noch eingelagerte Kirschen. Das funktioniert genauso wie beim Apfel, mit niedrigen Temperaturen und wenig Sauerstoff.